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Perlentaucher

Ich stöbere gern. Durchforste und entdecke manchmal Bestimmtes manchmal den Zufall. In kleinsten Läden, in Kleiderbergen finde ich manchmal wahre Modeperlen. Schon von Kindesbeinen an habe ich viel Zeit in Second Hands verbracht. Erst mit meiner Mutter, später mit Freundinnen oder allein. Die Mode aus zweiter Hand ist eben nicht jedermanns Steckenpferd. Was ich nie verstehen konnte. Fragen nach Hygiene kamen auf: „Stell Dir vor, der Vorbesitzer hatte Fußpilz!“, „Findest Du das nicht eklig?“ oder ein angewidertes „Ich könnte das nicht“ schlugen mir entgegen.

Aber der Drang, immer ein bisschen anders zu sein, sich abzuheben, nicht einfach durchsichtig zu werden, um irgendwann in der Masse zu verschwinden, war mir wohl schon immer eine Art Urinstinkt. Allerdings sind die experimentellen Zeiten vorbei. An die Stelle von Petticoats auf dem Schulhof sind schwarze Kleider zu einer Einheit verschmolzen. Und das ist auch in Ordnung. Die Fragen nach schrillen Outfits sind leiser geworden, eine ganz andere Stimme dafür immer lauter. Die der Vernunft. Kleidung wird in Massen und Massen und tausenden Massen hergestellt. Auf der Welt gibt es genug Kleidung. Wahrscheinlich mehr als die gesamte Weltbevölkerung je braucht. Aber durch Schnelllebigkeit unserer Kleider haben wir immer das Gefühl, Neues zu brauchen. Unser betrogenes Modeherz gleich mit einer neuen Ladung Primark, Zara oder H&M zu belohnen. Ohne jegliche Hinterfragung. Konsumieren macht schließlich Spaß und ist wichtiges Hobby.

Mir kam das alles irgendwann komisch vor. Zu schnell, zu viel. Reizüberflutung wohin man schaute. Ich mag das Wort Entschleunigung. Ich mag das Gefühl, etwas zu konsumieren, was schon mal ein Leben hatte und dem ich neues einhauchen kann. Das vielleicht ein Einzelstück ist, weil es nicht mehr hergestellt wird. Vielleicht ist es ein Schnäppchen. Vielleicht eine Herzensangelegenheit. Ein Stück, nach dem man schon lange sucht. Jedenfalls möchte ich Euch Vestiaire Collective ans Herz legen. Werbung braucht diese Plattform eigentlich keine mehr. Ich habe sie heute nur wieder entdeckt und unheimlichen Spaß beim Durchforsten der Sachen gefunden. Es ist ein Onlineshop mit Sitz in Paris. Die Markenklamotten werden geprüft und somit die Gefahr von Fälschungen gebannt. Und vielleicht findet man das eine Teil von Acne Studios oder von Filippa K, nach dem man schon so lange gesucht hat, dort. Und höchstwahrscheinlich ist es bezahlbarer, als es im Laden war, als das Herz ans Kleidungsstück verloren ging.

Vielleicht schaut ja der ein oder andere vorbei, vielleicht entdeckt jemand seine Leidenschaft für Gebrauchtes, es muss ja nicht gleich die Prada Tasche sein. Auf normalen Flohmärkten und Second Hands sind Schnäppchen übrigens auch oft genug zu finden. Wie gesagt, Klamotten hat die Welt genug.

Hier ein paar Teile, die ich momentan mit Luchsaugen beobachte und die mir nun, gebraucht und nicht zum Originalpreis, gar nicht mehr so unerreichbar scheinen:

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Kaschmirmantel von Acne

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Venussweatshirt von Ganni

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Sweatshirt von Surface to Air

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Baumwollpulli von Ganni


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